Zwischen Politik und Performance: Was der starke Franken für den Beteiligungsmarkt bedeutet
22.08.2025

Die Aufwertung des Schweizer Frankens ist längst mehr als ein währungsstrategisches Detail. Sie verändert Standortentscheidungen, Bilanzkennzahlen, Exportpreise – und zunehmend auch den Beteiligungsmarkt. Für Investoren, die direkt in Schweizer Unternehmen investieren, stellt sich damit eine zentrale Frage: Ist der starke Franken ein Risiko – oder ein strategischer Vorteil?
Aktuell notiert der Franken gegenüber dem Euro so stark wie seit Jahren nicht mehr. Die Schweizerische Nationalbank hat im Juni 2025 mit der Rückkehr zum Nullzins signalisiert, dass sie weiterhin auf geldpolitische Stabilität setzt. Gleichzeitig sorgt die Schwäche internationaler Leitwährungen – insbesondere des Euro und des Yen – dafür, dass der Franken als „sicherer Hafen“ weiter aufwertet. Für den Schweizer Beteiligungsmarkt ist das gleich doppelt relevant.
Zum einen beeinflusst der Wechselkurs unmittelbar die internationale Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter KMU. Höhere Frankenpreise bedeuten tendenziell sinkende Margen, wenn nicht gleichzeitig Preissetzungsmacht oder Effizienzreserven vorhanden sind. Investoren müssen daher noch genauer hinschauen: Welche Unternehmen können mit dieser Entwicklung umgehen? Welche verfügen über langfristige Lieferverträge in Fremdwährung? Und welche haben ihre Wertschöpfung bereits so aufgestellt, dass Wechselkursschwankungen abgefedert werden?
Zum anderen führt die Frankenstärke zu einer relativen Attraktivität des Schweizer Beteiligungsmarkts für inländische Anleger. Während Auslandsinvestitionen durch Währungsverluste zunehmend entwertet werden – sowohl auf dem Rückfluss als auch im Kursrisiko selbst –, bleiben direkte Beteiligungen an Schweizer Unternehmen in der Heimatwährung bilanziert. Gerade für Family Offices, Unternehmer oder vermögende Privatpersonen mit Fokus auf Werterhalt gewinnt dieser Punkt an Bedeutung.
Noch stärker wirkt sich der starke Franken im Bereich der Transaktionsstruktur aus. Ausländische Käufer oder Fonds tun sich zunehmend schwer, bei Schweizer KMU wettbewerbsfähige Bewertungen zu stellen – nicht, weil die Unternehmen schlechter wären, sondern weil die Zielwährung aus Sicht des Käufers „teurer“ wird. Das schafft Raum für einheimische Investoren mit Frankenbasis, die dadurch weniger Konkurrenz im Bieterverfahren haben. In strategisch interessanten Nischen kann das den Unterschied machen – sowohl beim Zugang zum Deal als auch bei der Bewertung.
Gleichzeitig verstärkt sich der Trend zur Binnenorientierung. Schweizer Unternehmer, die über eine Nachfolgelösung nachdenken, tendieren aktuell stärker zu inländischen Partnern. Nicht nur aus kultureller oder sprachlicher Nähe – sondern auch, weil sie das Währungsrisiko für das Unternehmen oder sich selbst nicht mehr eingehen wollen. Ein Verkauf an einen Euro-Fonds mag auf dem Papier attraktiv wirken, verliert aber an Charme, wenn sich die Zahlungsströme in der Praxis ständig relativieren. Der stabile Franken wird so zum vertrauensbildenden Faktor – nicht nur für Investoren, sondern auch für Verkäufer.
All das bedeutet nicht, dass der starke Franken risikolos sei. Für Beteiligungen mit hohem Exportanteil, geringer Preissetzungsmacht oder stark fremdwährungsabhängiger Rohstoffbasis kann der Währungsdruck zur echten Herausforderung werden. Aber genau deshalb gewinnt die sorgfältige Prüfung an Bedeutung – und schafft Differenzierungspotenzial für Investoren, die verstehen, wie Währungsmechanik auf operativer Ebene funktioniert.
Langfristig bleibt der starke Franken ein Ausdruck struktureller Stärke: politische Stabilität, hohe Produktivität, rechtliche Verlässlichkeit, internationale Kreditwürdigkeit. Für Beteiligungsinvestoren mit Blick auf Schweizer KMU heisst das: Wer lokal denkt, rechnet zunehmend realistischer. Und wer in substanzielle Unternehmen mit robuster operativer Basis investiert, wird feststellen, dass der starke Franken kein Handicap ist – sondern ein strategisches Umfeld, das sich für Geduldige auszahlt.